Ballaststoffe in unserer Ernährung

 

Ballaststoffe zählen zu den Kohlenhydraten, können jedoch im Gegensatz zu allen bekannten Kohlenhydraten von unserem Körper nicht verstoffwechselt werden. Trotzdem sind sie kein "Ballast", wie der Name vermuten lassen könnte, sondern wichtige Nahrungsbestandteile für unseren Körper.(1) 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt als Empfehlung eine Ballaststoffaufnahme von 30g pro Tag an, trotzdem erreichen viele Menschen diese Menge nicht.(2) 

Wie Lohnenswert es sein kann, die eigene Ballaststoffaufnahme zu verbessern zeigen auch verschiedene Studien. Seien es präventive Gründe, weswegen man seine Ernährungsgewohnheiten verändern möchte, oder auch zur Unterstützung bei bestimmten Krankheiten, lohnen tut es sich in jedem Fall!

 

In einer Metaanalyse (Zusammenfassung mehrerer Studien) konnte beispielsweise gezeigt werden, dass das Risiko an Dickdarm-Krebs zu erkranken bei der Gruppe mit hoher Ballaststoffzufuhr um 20% geringer ist als bei der Gruppe mit geringer Ballaststoffzufuhr. Die Autoren beschreiben, dass eine hohe Ballaststoffzufuhr einen schützenden Effekt gegen Dickdarm-Krebs haben kann und mit einer relevanten Reduktion des Erkrankungsrisikos einher geht.(3)  

 

Eine weitere Erkrankung die im Fokus der Forschung steht ist die Fettleber (im speziellen: NALFD). Im Rahmen einer kleinen Studie wurden verschiede Stoffwechselparameter sowie Leberwerte im Labor bei einer Probandengruppe bestimmt. Man verglich die erhobenen Laborwerte bei normaler Ernährung mit denen bei vermehrter Ballaststoffaufnahme und konnte eine deutliche Verbesserung der Stoffwechsel- und Leberwerte erkennen. Auch der Zonulin-Wert verbesserte sich, was eine Optimierung der "Barriere"-Funktion des Darmes wiederspiegelt. Die Autoren empfehlen eine Vermehrte Ballaststoffaufnamhe für Patienten mit einer Fettleber (NALFD, nicht-alkoholische Fettleber).(4) 

 

Warum eine höhere Ballaststoffaufnahme positive Effekte auf unseren Körper zu haben scheint ist noch nicht gänzlich geklärt. Möglicher Weise könnten diese Effekte auf Veränderungen der Darmflora infolge der Ernährungsveränderung beruhen. Verschiedene Bakterienarten unserer Darmflora können vor allem Ballaststoffe sehr gut zu weiteren Substanzen (insbesondere zu kurzkettigen Fettsäuren) verstoffwechseln. Dies könnte dazu führen, dass zum einen bestimmten Bakterienarten vermehrt vorkommen oder auch deren Stoffwechselprodukte verstärkt gebildet werden, was wiederum die positiven Effekte auf unseren Körper erklären könnte.(5)

Eindeutig ist dies jedoch noch nicht, aber die Forschung geht weiter und vielleicht haben wir auch hierzu irgendwann eine Antwort. 

 

 

Quellen:

(1) Kassem Makki, Edward C. Deehan, Jens Walter, and Fredrik Backhed: "The Impact of Dietary Fiber on Gut Microbiota in Host Health and Disease"; Cell Host & Microbe 23, June 13, 2018; doi:10.1016/j.chom.2018.05.012.

(2) Homepage der DGE: https://www.dge.de/presse/pm/mehr-ballaststoffe-bitte/

(3) Vincenza Gianfredi, Daniele Nucci, Tania Salvatori, Giulia Dallagiacoma,

Cristina Fatigoni, Massimo Moretti and Stefano Realdon: "Rectal Cancer: 20% Risk Reduction Thanks to Dietary Fibre Intake. Systematic Review and Meta-Analysis"; Nutrients 2019, 11, 1579; doi:10.3390/nu11071579. 

(4) Marcin Krawczyk, Dominika Maciejewska, Karina Ryterska, Maja Czerwi ´nka-Rogowska, Dominika Jamioł-Milc, Karolina Skonieczna-Zydecka, Piotr Milkiewicz, Joanna Raszeja-Wyszomirska and Ewa Stachowska: Gut Permeability Might be Improved by Dietary Fiber in Individuals with Nonalcoholic Fatty Liver Disease (NAFLD) Undergoing Weight Reduction; Nutrients 2018, 10, 1793; doi:10.3390/nu10111793. 

(5) Hannah D. Holscher: "Dietary fiber and prebiotics and the gastrointestinal microbiota"; GUT MICROBES 2017, VOL. 8, NO. 2, 172–184; doi: 10.1080/19490976.2017.1290756.